WordPress: Die Lösung für Probleme, die keine sind
Früher waren Websites erstaunlich schlicht. Ein paar HTML-Dateien, ein bisschen Inhalt, vielleicht ein Downloadbereich und eine Kontaktseite – mehr brauchte es oft nicht. Alles war statisch, direkt greifbar und leicht verständlich. Wenn es irgendwo ein Login-System gab, dann war das meist eine separate Anwendung, auf die einfach verlinkt wurde. Die Website selbst blieb davon unberührt. Das hatte natürlich seine Grenzen, aber es war vor allem eines: einfach.
Wer etwas ändern wollte, öffnete die entsprechenden Dateien und passte den Inhalt direkt an. Es gab keine Templates, keine Widgets, keine abstrahierten Systeme im Hintergrund. Auch Dinge wie suchmaschinenoptimierte URLs spielten kaum eine Rolle. Der Funktionsumfang war überschaubar, aber genau das machte den Umgang damit so effizient. Und wer ein bisschen technisches Verständnis mitbrachte, konnte sich in kurzer Zeit ein eigenes kleines System bauen, das genau diese Anforderungen erfüllte.
Mit der Zeit erkannten viele, dass sich solche Systeme abstrahieren lassen. Es entstanden Content-Management-Systeme, die die Pflege von Inhalten vereinfachen sollten. Doch während die ursprünglichen Websites im Kern oft genauso simpel blieben, entwickelten sich die CMS selbst in eine ganz andere Richtung. Sie wurden größer, komplexer und aufwendiger – nicht selten auch anfälliger.
Ein besonders prägnantes Beispiel dafür ist WordPress. Im Kern bringt es vergleichsweise wenig Funktionalität mit, wird aber durch Plugins zu einem gigantischen Baukasten erweitert. Das Versprechen ist verlockend: Jeder kann alles bauen, ohne wirklich verstehen zu müssen, was im Hintergrund passiert. Doch genau hier beginnt das eigentliche Problem. Aus kleinen Anforderungen werden plötzlich große Systeme, die mit unverhältnismäßigem Aufwand gelöst werden.
Ein einfaches Backup etwa wird zu einer komplexen Plugin-Lösung, obwohl ein kleines Shell-Skript mit zip und mysqldump das gleiche Problem in kürzester Zeit erledigen könnte. Übersetzungen werden über Plugins gelöst, die daran scheitern, dass sich Seiten in verschiedenen Sprachen strukturell leicht unterscheiden. Für Designanpassungen kommen umfangreiche Baukästen zum Einsatz, obwohl ein paar gezielte Änderungen im HTML ausreichen würden – mit dem Nebeneffekt, dass der erzeugte Code ein Vielfaches größer ist als nötig und häufig von unnötigen Abhängigkeiten wie jQuery durchzogen wird.
Natürlich hat dieses System auch seine Vorteile. Es ermöglicht Menschen ohne technischen Hintergrund, komplexe Aufgaben selbst zu erledigen. Ein Umzug der Website wird dann über ein Backup-Plugin abgewickelt – auch wenn das unter Umständen zwanzig Minuten dauert und zusätzliche Hürden mit sich bringt. Wenn etwa der benötigte FTP-Zugang nicht korrekt eingerichtet ist, beginnt schnell ein frustrierendes Hin und Her. Dabei zeigt sich oft, dass der manuelle Weg – Dateien kopieren, Datenbank exportieren und wieder importieren, Konfiguration anpassen – in wenigen Minuten erledigt ist und zuverlässig funktioniert.
Mit der wachsenden Anzahl an Plugins wächst auch die Angriffsfläche. Sicherheit wird zu einem zentralen Thema, und damit auch der Druck, ständig alles aktuell zu halten. Jedes Plugin, jedes Update wird zur potenziellen Fehlerquelle. Es entsteht eine gewisse Angst, etwas zu übersehen oder durch ein Update etwas zu zerstören. Gleichzeitig laufen viele Systeme auf veralteten Grundlagen, etwa älteren PHP-Versionen, weil die Sorge besteht, dass ein Upgrade bestehende Funktionen beeinträchtigen könnte. Dass sich solche Probleme meist beheben lassen oder Änderungen rückgängig gemacht werden können, gerät dabei oft in den Hintergrund.
Am Ende entsteht ein paradoxes Bild: Für kleine, eigentlich triviale Probleme werden große, komplexe Lösungen eingesetzt. Die Betreiber der Websites nehmen das als gegeben hin, ohne zu hinterfragen, ob der zugrunde liegende Bedarf diesen Aufwand überhaupt rechtfertigt. Für statische oder nur leicht dynamische Websites ist ein System wie WordPress häufig überdimensioniert. Es verbraucht Ressourcen und erzeugt Verwaltungsaufwand, obwohl ein leichtgewichtiges CMS oder sogar eine schlanke Eigenlösung mit überschaubarem Code völlig ausreichen würde.
Selbst die Verwendung einer Datenbank ist in vielen Fällen fragwürdig, wenn die Inhalte am Ende ohnehin aus einem Cache ausgeliefert werden. Eine einfache dateibasierte Lösung könnte hier genauso gut funktionieren – mit deutlich weniger Komplexität.
Trotz all dieser Punkte bleibt WordPress für viele die erste Wahl. Es hat sich als Standard etabliert, unabhängig davon, ob es für den jeweiligen Anwendungsfall wirklich geeignet ist. Die Folge sind höhere Kosten, mehr Wartungsaufwand und unnötige Komplexität. Und so bleibt am Ende oft der Eindruck, dass hier Lösungen für Probleme geschaffen werden, die in ihrer ursprünglichen Form nie besonders groß waren.
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