„Prompt Engineering is dead.“
Ein Satz, der provoziert. Und genau das soll er auch.
Kaum war der Begriff Prompt Engineering geboren, wurde er auch schon beerdigt – nur um durch neue Buzzwords ersetzt zu werden:
Context Engineering, Flow Engineering, morgen vielleicht Intent Engineering.
Alles neue Etiketten für etwas, das im Kern nichts Neues ist.
Das große Missverständnis
Die Annahme dahinter:
Man brauche spezielle Menschen, spezielle Rollen, spezielle Fähigkeiten, um mit KI zu arbeiten.
Doch das stimmt nicht.
KI braucht keine „Prompt Engineers“.
Sie braucht Menschen, die klar denken und sauber kommunizieren können.
Prompts sind keine Programmiersprache.
Sie sind keine geheime Kunst.
Und sie sind ganz sicher nichts, was man jahrelang studieren muss.
Wer früher in der Lage war, ein brauchbares Ticket zu schreiben – mit klaren Anforderungen, Use Cases, User Stories und Akzeptanzkriterien – kann heute genauso gut mit einer KI kommunizieren.
Kommunikation schlägt Technik
Was wirklich gebraucht wird, sind keine Entwickler oder Techniker im klassischen Sinn, sondern Menschen, die:
- Gedanken strukturieren können
- Ziele klar formulieren
- Kontext sauber vermitteln
- Feedback geben und iterieren
Kurz gesagt: [n]Menschen, die bewusst und gelenkt kommunizieren können.
Das ist keine neue Fähigkeit.
Das ist eine menschliche Kernkompetenz.
Neue Begriffe machen es nicht besser
Sich ständig neue Begriffe auszudenken, um Wichtigkeit zu simulieren, hilft niemandem.
Im Gegenteil: Es verschleiert, dass sich im Kern nichts verändert hat.
Wenn wir lange genug neue Namen erfinden, merken wir vielleicht irgendwann,
dass dahinter gar kein neues „Fachgebiet“ steckt – sondern einfach Kommunikation.
Und genau deshalb wirkt dieser Trend langsam schon fast lächerlich.
Keine neue Qualifikation – nur ein anderes Mindset
Man braucht keine zusätzliche Ausbildung,
keinen neuen Titel,
keine Zertifizierung.
Man braucht nur das richtige Mindset.
Und das ist nichts, was man „lernen“ kann wie eine Programmiersprache.
Man hat es – oder man entwickelt es durch Denken, Reflektieren und Anwenden.
Das ist auch der eigentliche Vorteil von KI:
Sie demokratisiert Fähigkeiten, statt neue Hürden aufzubauen.
Das Ende der Titel
Vielleicht erleben wir gerade das schleichende Ende vieler Berufsbezeichnungen, die ohnehin immer bedeutungsloser wurden.
Nicht weil Menschen weniger wert sind –
sondern weil das, was zählt, nicht mehr auf dem Titel steht, sondern in der Fähigkeit, klar zu denken und sinnvoll zu handeln.
Und das ist eine ziemlich gute Entwicklung.