Komplexität? - Gerne noch etwas mehr davon!

Ich bin über diesen Artikel bei Heise-Developer gestolpert und das Thema hat mich gleich gefesselt. Ich vertrete ja immer die Auffassung, dass Komplexität entweder auflösbar ist oder ein Symptom eines unerkannten Fehlers/Problems. Ich halte es auch für eine sehr deutsche Tugend Komplexität zu verklären. Über die Jahre bin ich bei verschiedenen Firmen, Personen und Situationen über sehr komplexe Probleme gestolpert, die aber meistens von den Verantwortlichen mehr mit Stolz gesehen werden, als ein Problem.

Die Aufgabe der IT wird dann immer darin gesehen, dass sie komplexe Probleme, die zu komplex für Menschen sind, handhabbar und bewältigbar zu machen. Dabei gilt auch in der IT, dass eine komplexe Lösung für ein komplexes Problem eine große Sammlung für Point-of-Failure's sind, bei denen die einzelnen Fehler auch wieder eine hohe Komplexität haben. In den meisten Fällen, wäre die IT besser damit beraten, ein Beispiel zu liefern, wie die IT helfen kann einen simpleren Prozess umzusetzen und damit die Effektivität enorm zu steigern.

Leider aber gibt es immer die typischen Ausreden:
- unser Geschäftsfeld ist eben sehr komplex
- es gibt keine Standard Fälle, die unsere nötigen Abläufe abbilden können
- unsere Firma ist eben etwas Besonders und lässt sich nicht vergleichen
- das ist über die Jahre so gewachsen und unser Erfolg gibt uns recht
- wir sind nicht einfach so eine Firma.. wir machen heben uns ab
- wir sind eben innovativ und den Standardlösungen voraus

Bei manchen sieht man sehr gut das Ursache und Begründung an sich nichts mit einander zu tun haben. Aber eindeutig ist, dass man meint sich durch Komplexität einen Mehrwert gegenüber Mitbewerbern herbei zureden versucht. Es wird so getan als müsse Komplexität mit Innovation, Qualität und Alleinstellung einher gehen. Hoch komplexe Fertigungsmethoden beeindrucken natürlich, aber es wird viel zu selten überlegt, ob es nicht viel beeindrucken würde für eine komplexe Aufgabe eine sehr einfache und kostensparende Lösung bieten zu können.

Automatisierung und Digitalisierung.. momentan große Buzz-Words. Firmen die schon immer versucht haben Komplexität zu bekämpfen und ihre Prozesse schlank und einfach zuhalten, haben kein Problem damit etwas bei sich zu automatisieren bzw sind meistens schon damit durch. Das sind auch Firmen bei denen die Mitarbeiter selbst bestrebt sind, stupide Arbeit loszuwerden und sich wirklich wichtigen Arbeiten mit ausreichend Zeit widmen zu können.

Gerade größere Firmen, die an Komplexität als Vorteil oder Aushängeschild festhalten, wundern sich immer, wenn sie von kleinen innovativen Firmen mit viel weniger Mitarbeitern, Geld und Bürokratie in kurzer Zeit überholt werden. Oft hält man dann dort an der Qualität fest, die mit simpleren Fertigungsmethoden oder Prozessen ja nicht gewährleistet werden könne. Manchmal stimmt es, aber ganz oft ist die höhere Qualität auch nur eingebildet und wird allein an den komplexen Prozessen wiederum fest gemacht. Also führt die Komplexität zu hoher Qualität, die man daran erkennt, dass die Komplexität hoch ist.... man dreht sich im Kreis.

Komplexität ist immer schlecht und es gibt keinen Grund an Komplexität fest zu halten. Wenn man Komplexität an einem Punkt nicht los wird, muss man entweder etwas mehr nachforschen und kann dadurch innovativ sein oder in Betracht ziehen, dass man etwas da einfach falsch macht und denn betroffenen Prozess noch mal auch mit Blick von Außen neu planen sollte.

Unnötig Komplex zu sein und zu denken ist 60er/70er Jahre Mentalität, die man möglichst schnell ablegen sollte. Aber dafür muss man Prozesse erfassen und bewerten, mit den Mitarbeitern vor Ort reden und planen, IT nicht als Problemlöser sehen sondern als neuen Weg, der neue Impulse und Ideen liefert. IT ist ein Werkzeug zur Bekämpfung von Komplexität und nicht eins um Komplexität beherrschbar zu machen.
User annonyme 2018-10-18 20:28

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